Jean Giraud wurde am 8. Mai 1938 in Nogent-sur-Marne, Frankreich, geboren und veröffentlichte seine ersten Comics 1956/57.
In Europa und ganz besonders im frankobelgischen Raum entwickelte sich eine eigene Comictradition, einerseits der Stil der Ligne claire mit Hergés "Tintin" als prominentestem Beispiel, andererseits die abgeschlossene Abenteuergeschichte im Albenformat mit Rittern, Piraten und Cowboys als Serienhelden. Zu einem Meilenstein des Comics avancierte dabei die Westernserie "Blueberry", 1963 entwickelt vom Autor Jean-Michel Charlier und dem Zeichner Jean Giraud. Die anfänglich noch ganz den Vorbildern verpflichtete Comicreihe brach nach und nach inhaltlich, aber vor allen Dingen graphisch mit den bestehenden Konventionen. Jean Giraud gab das starre Layout der Seiten auf und seinen Panels den Raum, den sie für sich beanspruchten. Enge, hochformatige Einzelbilder, in denen die Sprechblasen wie Wolken über den Köpfen schweben; verwinkelte Perspektiven, in denen das bühnengerecht angeordnete Personal verschlungen die Tiefe des Raumes nutzen und großflächige, endlose Landschafts-impressionen, die die Weite und Ödnis der Wüste einfangen. Die Anleihen, die Giraud beim Medium Film machte, sind bei "Blueberry" deutlich zu spüren und wurden stilbildend für Generationen von Zeichnern. Das Gesicht von Leutnant Blueberry! Man studiere einmal, was im Laufe der Zeit mit diesem Gesicht passiert, und man wird etwas über die Befreiung eines Handwerkers zum Künstler erfahren und zugleich über die Entwicklung der Bildergeschichte vom Massenmedium zur Comic-Kunst.Girauds "Blueberry" avancierte binnen kurzem zu einer der besten und erfolgreichsten französischen Abenteuerreihen (s. Andreas Knigge, Faszination Comic - Frankfurter Buchmesse 2001). Doch noch stärker prägte Jean Giraud unter seinem Pseudonym Moebius unsere Bilderwelten.
1975 gründete Giraud alias Moebius mit den Kollegen Pierre Doinnet, Philippe Druillet und Bernard Farkas sowohl den Verlag "Humanoides Associés", wie auch das Comicmagazin "Métal hurlant". Durch seine darin veröffentlichten Arbeiten wurde er zum bedeutendsten Pionier des modernen französischen Comics. Seine bevorzugten Themenfelder waren Science-Fiction und Fantasy, die er mit zahlreichen Versatzstücken aus der trivialen Literatur durchsetzte. Moebius deklinierte in der Folge die Gattung durch: Er schuf intellektuelle Vexierspiele ("Die hermetische Garage"), anarchische Parodien ("Arzach"), esoterische Gegenwelten ("Die Sternenwanderer") und traumlogische Abenteuergeschichten ("John Difool"), ohne sich eindeutig auf eine Spielart festzulegen. Immer wieder kommt es in seinen Comics zu Ausbrüchen, durchbrechen Umleitungen und Selbstreflexionen die Handlungsfolge. Moebius’ assoziativ erzählte Bildgeschichten schreien geradezu nach dem reifen, erwachsenen Leser. Verbargen die amerikanischen Undergroundmacher ihren anarchistischen Spott und ihre provokative Kritik hinter der Maske des Niedlichen, so fand Moebius das Gewand des Niegesehenen. Werke wie "Arzach", "Die hermetische Garage" oder "John Difool" avancieren zum Kult einer Generation, die durch den Comic mehr als nur unterhalten werden wollten, sie machten den Comic zur "Neunten Kunst".
Künstlerisch markieren die Bildgeschichten, die Moebius seit Anfang der siebziger Jahre schuf, einen Quantensprung in der Comicgeschichte, eine Comic-Revolution. Moebius revolutionierte die Farbtechnik und entwickelte eine eigene Form der zeichnerischen écriture automatique. Sein künstlerischer Einfluss reicht bis in die USA und sogar nach Japan. Der amerikanische Science-Fiction-Autor Harlan Ellison nannte ihn ein "Genie, das die Welt verändert", und Federico Fellini schrieb ihm einmal bewundernd: "Alles was du machst, gefällt mir, sogar dein Name gefällt mir." (Numa Sadoul, Das große Moebiusbuch). Moebius gestaltete mit seinen Bildern unsere Vorstellung von der Zukunft. Fast in jedem Science-Fiction- und Fantasy-Film lassen sich Anleihen bei Moebius finden, kein Wunder, da er an vielen Genreklassikern wie "Alien", "Tron", "Das fünfte Element" oder "The Abyss" selbst aktiv mitarbeitete. (vgl.. Marc Degens, in: www.satt.org/comic/03_03_moebius_1.html)
"Girauds Bilder sind von einer erkennbaren Handschrift, aber bei weitem nicht austausch- oder vorhersehbar. In Frankreich arbeitete er beispielsweise an einer Spezial Nummer der Zeitschrift Geo mit, in der Comiczeichner Landschaften porträtierten. Nicht nur einfache Landschaftsbilder sonder zumeist liebevolle Huldigungen an die Menschen in ihrer heimischen Umgebung." (aus: http://www.parnass.scram.de/comicdetail.php?nr=1665)
In der Kunstwelt gilt es noch, das Double des Zeichners - Moebius - zu entdecken. Dutzende von bislang unveröffentlichten Notizbüchern, größtenteils so klein, dass sie in eine Jackentasche passen, bergen "Zeichnungen, die zum Besten zählen, was dieser Meister seiner Zunft überhaupt geschaffen hat." (Andreas Platthaus, Moebius, Zeichenwelt, Die Andere Bibliothek, 2003)
Preise: 1981: Prix Alfred 1984: Grand Prix National des Arts Graphiques 2001: Max-und-Moritz-Preis für herausragendes Lebenswerk (Comicsalon Erlangen)
Einzelwerke Der irre Ständer (1974) Arzach (1976) Der weiße Albtraum (1977) Die Augen der Katze (1978) Die hermetische Garage des Jerry Cornelius (1979) Chaos (1991) Metallische Chroniken (1992) Die Träume des Arzach (1993) Paris-Venedig (1993) Starwatcher (1994) Made in L.A. (1995) Der Mann von der Ciguri (1996)
Serien Blueberry (seit 1963) Major Grubert (? bis ?) John Difool (1981 bis 1988) Die Sternenwanderer (? bis 1994) Lust und Glaube (? bis 1994)
Film-Designs Dune (geplantes Filmprojekt mit Salvador Dali) Alien (1979) Herrscher der Zeit (1982) Blade Runner (1982) Tron (1982) Masters of the Universe (1987) Willow (1988) The Abyss (1989) Das fünfte Element (1997). Die Arzach Rhapsody (2003) TV Mini-Serie. 2004 kommt eine Filmadaption von Blueberry in die Kinos mit Vincent Cassel und Juliette Lewis in den Hauptrollen.